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Kardiologie & Gefäßmedizin

Ateminsuffizienz: Diagnose

Ateminsuffizienz

Definition

Störung von Gastransport (Umgebung —› Alveole) oder Gasaustausch (Alveole —› Kapillare)

Ätiologie

Zahlreiche Erkrankungen und Läsionen können ursächlich akut oder allmählich (Endstadium chronischer Verläufe) zur Ateminsuffizienz führen (siehe Tabelle 1)

Differentialdiagnose (siehe Tabelle 2)

Symptome
  • Flache frequente Atmung (regelmäßige Kontrolle der Atemfrequenz zur Verlaufsbeobachtung!)
  • Bradypnoe, im Extremfall Atemstillstand (bei zentraler Atemlähmung)
  • Dyspnoe und Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
  • Tachykardie, evtl. Herzrhythmusstörungen
  • Hypotonie
  • Sekundäre hypoxische Linksherzinsuffizienz
  • Bewusstseinsstörungen, faszikuläre Muskelzuckungen, hypoxische Krämpfe
  • Atemnebengeräusche
    • Schnarchen bei Verlegung des Hypopharynx
    • Stridor bei Stenose der extrathorakalen Atemwege
    • Distanzgiemen bei Bronchospasmus
    • Grobe Rasselgeräusche bei Flüssigkeit in den großen Bronchien (Aspiration!)
    • Feinblasige Rasselgeräusche bei Lungenödem
  • Pathologische arterielle Blutgase (Partialinsuffizienz, Globalinsuffizienz)

 

Merke
PaCO2-Werte über 45 Torr sind bei akuter Ateminsuffizienz (zum Beispiel im Asthma-Anfall) prognostisch bedeutsam, Verlaufskontrollen zur Trendbeurteilung notwendig!

Tabelle 1: Ursachen der Ateminsuffizienz
Ursache
Zentrale Atemlähmung
Hypoventilation durch Schädel-Hirn-Trauma (Blutung, Hirnödem)
intrakranieller Gefäßverschluss, intrakranielle Blutung, Hirntumor, Vergiftung (z.B. Barbiturate, Opiate), Hypothermie
Periphere Atemlähmung
Phrenikusläsion
Poliomyelitis, Polyneuritis, Rückenmarkstumor, neuromuskuläre Blockade (Medikamente, Botulismus, Tetanus)
Verlegung der Atemwege
zurückfallende Zunge, Fremdkörperaspiration, Trachealkompression, - abriss, Bronchusruptur
Entzündungen, Tumoren, Missbildungen, Larynxödem, Laryngospasmus, Asthma bronchiale
Behinderung der Thoraxbeweglichkeit
Rippenserienfraktur
Thoraxdeformität, Zwerchfellhochstand, Adipositas
Behinderung der Ausdehnungsfähigkeit der Lunge
Pneumothorax, Hämatothorax
Pleuraerguss, Lungenfibrose
Verteilungsstörung
Pneumothorax
Asthma bronchiale, Lungenemphysem, Pneumonie
Diffusionsstörung ARDS (= Adult Respiratory Distress Syndrome)
Lungenödem (intraalveolär, interstitiell)
Perfusionsstörung ARDS
Lungenembolie
Tabelle 2: Differentialdiagnose - Dyspnoe

Atemwegs-Erkrankungen

</p>
Kehlkopf
Trachea
Bronchien
u.a. Asthma

Lungenerkrankungen

</p>

Lungenparenchym

u.a. Pneumonie
Alveolitis
Pneumothorax
Emphysem
ARDS

Lungengefäße

Embolie
Pulmonale Hypertonie
Systemische Entzündungen (Kollagenosen)

Herzkrankheiten

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Kongenitale und erworbene Klappenfehler
Koronare Herzkrankheit
Hypertonie
Endokarditis
Perikarditis
Cor pulmonale
Jede Form der Links- und Rechtsherzinsuffizienz

Zunahme des Herzzeitvolumens

</p>
Beri-Beri
Hyperthyreose
Schwangerschaft
periphere arteriovenöse Shunts

Thoraxerkrankungen

</p>
Thoraxdeformitäten
Muskuläre Erkrankungen
Pleuraerkrankungen: Pleuraerguss, Pleuritis

Extrathorakale Erkrankungen

</p>

Neurologische Erkrankungen
Anämie
Fieber
Höhenaufenthalt
Stoffwechselstörungen, z. B. metabolische Azidose
Körperliche Anstrengungen, Trainingsmangel
Psychovegetative Störungen
Übergewicht
Aszites

Schocklunge
(Synonym: ARDS = Adult Respiratory Distress Syndrome)

Definition

Progressive respiratorische Insuffizienz bei primär gesunder Lunge, einige Tage nach scheinbar schon überstandenem Schockereignis

Ätiologie
  • Hypovolämischer Schock (hämorrhagischer, traumatischer, Verbrennungs- und Dehydratationsschock)
  • Kardiogener Schock
  • Septischer Schock
  • Anaphylaktischer Schock
Pathologie

Vom Gefäßsystem der Lunge ausgehender akuter Prozess mit Endotheldefekten, Mikroembolisierungen und interstitiellem Ödem, später überlagert von Bronchopneumonien, hyalinen Membranen, kardialem Ödem und interstitieller Fibrose

Diagnostik und Symptome
Stadium I Fast symptomfrei; geringe Dyspnoe, mäßige Hypoxämie und leichte respiratorische Alkalose
Lunge röntgenologisch noch o. B.
Stadium II Tachypnoische Ruhedyspnoe, verstärkte Hypoxämie
Röntgenologisch interstitielles Lungenödem, gelegentlich Streifenatelektasen. (Differentialdiagnostisch schwer von kardialem Lungenödem, Fettembolie und Aspirationspneumonie abzugrenzen)
Stadium III Manifeste Ateminsuffizienz mit lebensbedrohlicher Hypoxämie und respiratorischer Azidose
Röntgenologisch neben dem interstitiellen Lungenödem konfluierende Infiltrationen. Eitrig-hämorrhagisches Sputum
Prognose

Im Stadium III nahezu immer infaust, bei Therapiebeginn im Stadium I Überlebensrate von 80%

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Letztes Update:26 Februar, 2009 - 13:27